Substanz statt Salami

Endlich! Die DFG stellt ihre Förderrichtlinien um. In Zukunft dürfen Forscher nur noch ihre fünf wichtigsten Werke angeben. Bisher kam es mehr auf die Quantität an und das verleitete zu Zweit- und Drittverwertungen von wissenschaftlichen Erkenntnissen. Da aber nur so Geld für die Forschung zu bekommen war und natürlich mit der längeren Publikationsliste die Chancen auf eine Stelle stiegen, wuchsen die Aufsatzveröffentlichungen in den letzten Jahren stetig an.
Wohin das führt, kann ich gerade auch ein wenig bei meinem Examensthema beobachten. Irgendwann ist unsere Lerngruppe kurz vor dem Nervenzusammenbruch gewesen. Warum? Wir haben Tagungsbände, Forschungsüberblicke ect. durchforstet. Fazit: Alle schreiben tolle Aufsätze. Nur die Erkenntnisse – die neuen Erkenntnisse – sind äußerst dünn.
Inzwischen witzeln wir schon, es hätte genügt, zwei Monographien zu lesen und den Rest zu ignorieren. Besondere Abneigung ernteten bei mir übrigens die Anglisten, die sich mit dem Thema beschäftigten. Diese Artikel waren in summa besonders nichtssagend. (Natürlich ein rein subjektiver Eindruck!) Gestern habe ich versucht die wichtigen Elemente zur besseren Lernbarkeit aufzulisten. Das ging erstaunlich schnell. Ich bin ja froh, dass in der Examensklausur eh keine Zeit ist, dieses Thema ausführlich zu diskutieren. Was bringt es mir, endlose Listen von Wissenschaftlern anzulegen und ihre Meinungen zu lernen, wenn alle im Grunde nur bei ein oder zwei Wissenschaftlern abschreiben?
So – und nun wieder ab in die Uni-Bibliothek…

(Quelle: ZEIT)

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