Dumm, dümmer, CSU-Killerspiel-Verbot

Der Preis für den dämlichsten Placebo-Vorschlag* zum Amoklauf geht an Joachim Hermann, der qua Amt (Innenminister von Bayern) das Verbot von Killerspielen forder muss.

Geht es nach dem Willen des bayerischen Innenministers Joachim Herrmann, dann werden sogenannte Killerspiele bald verboten: “Ich bin kein Gegner von Computerspielen. Aber es gibt brutalste Killerspiele, die völlig inakzeptabel sind und verboten gehören”, sagte der CSU-Politiker dem “Münchner Merkur”. [...] “Wir müssen uns jetzt endlich aufraffen und den Mut haben, die brutalsten Spiele zu verbieten. Das ist keine Frage der Medien- und Kunstfreiheit mehr”, sagte Herrmann.

Welche Spiele das sein sollen, sagt er lieber nicht. Er hat ja auch keine Ahnung wovon er redet. Die wirklich brutalen Spiele werden ja schon aus dem Verkehr gezogen. Hat es was genutzt? Nein.

Aber den Preis muss sich Herrmann mit Hans-Peter Uhl (CSU) teilen. Der will auch in die Presse und fordert:

“Wir brauchen das Herstellungs- und Verbreitungsverbot von Killerspielen. Und zwar nicht vom Alter abhängig, sondern generell”

Wir schicken dann mal einen Brief in die USA, damit da bitte keine Spiele mehr programmiert werden. Dann ziehen wir in allen Geschäften die Spiele ein und äh schließen das Internet. Das BKA weiß schon wie das gehen wird…

*Der Begriff Placebo stammt übrigens von einem offensichtlich umsichtigeren CDU-Pollitiker:

Niedersachsens Innenminister Uwe Schünemann (CDU) ergänzte: “Ich warne davor, sich vorschnell in einen politischen Wettlauf von Forderungen hineinzusteigern.” Bei den meisten Vorschlägen – etwa zum Waffenrecht oder zur Sicherheit an Schulen – handele es sich um Placebos.

Klingt wie die dünne Stimme der Vernuft im Stimmengewirr des Wahnsinns.

(Quelle: SPON)

7 Responses to “Dumm, dümmer, CSU-Killerspiel-Verbot”


  1. 1 SG

    Was ist eigentlich so schlimm daran, wenn Politiker darüber nachdenken, wie man Amokläufe verhindern kann?

    Die wirklich brutalen Spiele werden ja schon aus dem Verkehr gezogen. Hat es was genutzt? Nein.

    Das stimmt so nicht. Zum einen ist z. B. Counter Strike zwar indiziert, in der Praxis aber eben auch für Jugendliche ohne große Hürden verfügbar. Zum anderen weiß man nicht, wieviele Amokläufe wegen der Verbotsmaßnahmen nicht passiert sind.

  2. 2 SoWhy

    Naja, Herr Schünemann ist eigentlich nicht für seine Umsicht bekannt, die Placebo-Feststellung gilt wohl nur für Waffenrecht (wo es wirklich was bringen könnte) und Schul-Überwachung. Aber bei “Killerspielen” ist Herr Schünemann normalerweise mit dabei, den Populismus-Hammer zu schwingen: http://de.wikipedia.org/wiki/Uwe_Schünemann#Verbot_von_.E2.80.9EKillerspielen.E2.80.9C

  3. 3 robin

    @SG
    Richtig: Das Stichwort wäre “DENKEN”. Diese Forderungen sind so pauschal, das bringt doch nichts. Genauso sinnlos wie die Forderung nach Metalldetektoren in Schulen.
    Oder wie wäre es mit der Forderung alle Schützenvereine zu schließen, damit sowas nicht mehr passieren kann. Ist eigentlich eine ähnliche Kategorie.

    1) Ich gehe davon aus, dass Computerspiele genau viel Einfluss auf Gewaltaten haben wie TV, Comics, Bücher, das Internet und Kampfhundezucht.
    Die Spekulation man habe mit der Indizierung von Counter-Strike einen Amoklauf verhindert ist geradzu absurd. Wenn jemand geistesgestört ist, braucht es nicht CS um durchzudrehen. Und wenn es der letzte Tropfen sein sollte, der das Fass zum überlaufen bringt, dann findet sich dafür im Zweifel auch das richtige TV Programm als Ersatz. Eine sinnlose Debatte somit.

    2)Counter-Strike ist übrigens ab 16 Jahren erhältlich und somit nicht indiziert.

    @Sowhy
    Naja dann hatte er in diesem Augenblick einen lichten Moment :)

  4. 4 SoWhy

    @SG: Counter-Strike ist nicht nur nicht indiziert, es wurde von der Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Medien (BPjM) sogar ausdrücklich als “nicht gewaltverherrlichend” eingestuft.

  5. 5 Ich

    richtig, counterstrike ist in deutschland sogar nur zensiert erhältlich…und auf keinem Fall indiziert. Mal wieder ein beweis das Unwissende über etwas reden was sie nicht kennen.

  6. 6 Heinz

    Brief an die Bayerische Staatsregierung:

    Sehr geehrte Damen und Herren,

    für Herrn Innenminister Herrmann ist es laut Pressemitteilung “wissenschaftlich klar erwiesen, dass der andauernde Konsum derartiger [Computer-]Spiele, in denen Gewalt und Brutalität anders als bei Filmen aktiv ausgeübt und gesteuert wird, die Gewaltbereitschaft fördert und die Fähigkeit, Mitleid zu empfinden, verkümmern lässt.”

    ( Quelle: http://www.stmi.bayern.de/presse/archiv/2009/127.php )

    Da mir keine einzige Quelle bekannt ist, wonach dies „wissenschaftlich klar erwiesen“ ist, hätte ich hierfür gerne eine beispielhafte Quellenangabe von nur einer wissenschaftlichen Veröffentlichung, welche zu diesem eindeutigen Ergebnis kommt und weshalb beispielsweise die von mir genossene staatliche Zwangsausbildung zum mitleidlosen Töten (Bundeswehr) diese oben beschriebene Wirkung nicht haben soll.

    Zudem möchte ich darauf aufmerksam machen, dass im Zuge von „LAN-Partys“ es keinen einzigen Fall gibt, bei dem die Polizei wegen gewaltsamer Ausschreitungen eingreifen musste – übrigens im Gegensatz zu Fußballspielen, in deren Umfeld es in der Bundesrepublik erwiesenermaßen bereits etliche Tote gab – komischerweise fordert kein Politiker, Fußball zu verbieten.

    Zudem würde mich interessieren, weshalb von den Millionen Wehrmachtveteranen, welche nun wirklich ohne Zweifel zum „mitleidlosem Töten“ erzogen wurden und dies auch Jahrelang praktizieren mussten, es nach dem Kriege nur einen einzigen Fall eines amoklaufenden Veteranen gab (am 11. Juni 1964 in Köln ). Ist Herr Herrmann der Meinung, dass Computerspiele stärker traumatisieren als der Zweite Weltkrieg?

    Ich selber habe noch im Studium diese Spiele gespielt und habe als junger mehrfacher Familienvater und Diplomingenieur heute andere Präferenzen – nach der Mitteilung von Herrn Herrmann und die angeblichen „wissenschaftlichen Nachweise“ mache ich mir jedoch Sorgen über verborgene potentielle Traumatisierungen, welche möglicherweise in mir schlummern.

    Daher nochmals die Bitte meinerseits nach wenigstens einer ernsthaften Veröffentlichung mit besagtem „eindeutigen Nachweis“

    Mit freundlichen Grüßen
    ——————–

  1. 1 Eine Kultur des Sich-Umeinander-Kümmerns | Johannes Moskaliuk

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