Ich hab ja schon über das Twittern von Hubertus Heil gebloggt. SPON kann twittern und bloggen zwar nicht unterscheiden, aber für einen kleinen Artikel mit viel Häme hat es gereicht. Einziges richtiges Fazit in diesem Artikel: Internet verführt zu Indiskretionen. Man twittert womöglich Sachen, die man so nie gesagt hätte, wenn Kameras vor einem postiert sind.
Ansonsten wird noch Christian Soeder erwähnt. Dessen Namen hat SPON dann gleich mal falsch geschrieben, nämlich mit Ö statt OE. Aber hey, Recherche ist anstrengend. (Nachtrag 18 Uhr: Inzwischen hat SPON den Fehler behoben.)
Kritik gab es an der Jugendsprache von Heil. Aha. Was die SPIEGEL-Redakteure so alles unter “Jugendsprache” verstehen ist schon faszinierend (“super”, “unglaublicher Trubel” usw.). Ich frage mich da spontan auf welchen Stern SPIEGEL-Redakteur Carsten Volkery so lebt. Wenn ich in der Stuttgarter U-Bahn sitze und der “Jugendsprache” lausche, klingt das definitiv nicht so.
Der Sinn hinter Twitter wurde von Volkery wohl auch mißverstanden. Im Gegensatz zu Blogs sind es eben nur ganz kurz abgesetzte Meldungen. Quasi eine SMS an eine Sammelstelle für die Öffentlichkeit, mit einer Antwortfunktion wohlgemerkt. Nun kann man über Sinn und Unsinn diskutieren – ich verweigere mich Twitter jedenfalls – aber man kann es doch mal ausprobieren, oder?
Ist das wirklich unseriös, wie es Volkery leicht hämisch darstellt? (“Hubertus Heil zählte immer schon zu den ganz Modernen in der SPD.”)
Eine Frage an SPON: Sind Experimente nicht erlaubt? Einerseits wird über die Defizite der altbackenen Parteien geschimpft, aber dann ist es auch nicht recht, wenn “Neues” getestet wird.
Vielleicht hat es aber auch gerade so schön gepasst: Heute sonst keine Meldungen von der SPD? Ah, der Heil macht doch da was aus Denver? Keine Ahnung was das ist. Pah! So ein Blödsinn. . . . Artikel fertig.
Manchmal geht mir SPON schon auf den Keks.
Kleiner Nachtrag 18 Uhr: Dieser Beitrag sprengt derzeit jegliche Besucherrekorde meines Blogs. Ich habe vorhin zufällig auf meine Statistiken geklickt und dachte zuerst da sei die Grafik defekt. Zumindest scheint das Interesse an dem Thema sehr groß zu sein. Ob es sich für Hubertus Heil positiv auswirkt, wollen wir mal beobachten.
Nachtrag 20 Uhr:
Die SZ hat nun nachgezogen und äußert sich ähnlich wie SPON. Allerdings weißt sie eher auf einen Punkt hin, den ich gerne bestätige. Die Twittern ist relativ inhaltslos, wenig informativ und man weiß nicht so recht, wozu es gut sein soll. Jedenfalls in diesem Kontext. Vielleicht hätte Hubertus Heil lieber einen Blog anlegen sollen.
Ansonsten lästert die SZ natürlich auch über Heil und seinen peinlichen Stil. Ist heute ja angesagt… Über Erklärungen zu Twitter auf der SPD Seite mosert die SZ, dass die “wahrscheinlich Abgeschrieben sind”.
Kommentar von mir in dieser Hinsicht: Besser richtig abgeschrieben, statt wie SPON Nichtwissen zu offenbaren. Zumdem zeigt der Beitrag der SZ, dass der Redakteur das SPIEGEL Forum gelesen hat und verkauft den “Gag” am Ende des Artikels, dass alles ja nur ein Fake sein könnte, als den Eigenen. Dabei wurde das eben im SPON Forum geäußert. Vorbildlich!
Nachtrag 22:44 Uhr:
So uninteressant scheint er nicht zu sein, der Heil-Twitter. Dank der “freundlichen” Berichterstattung haben sich die “Followers” des Twitters mehr als verdoppelt. Eins wird wohl hängen bleiben: Heil kann Twitter – die CDU nicht…
Lesenwerter Kommentar auch bei Lummaland.
Kurz und knapp: Gut geschrieben.
Recherche? Das war doch das, was Zeitung von Bloggen unterschied, oder?
Blödsinn – genau. Der twitter-Account von @hubertus_heil hat eine enorme Followerexplosion hingelegt:
Innerhalb von nur zwei Tagen von 0 auf ca. 200, Tendenz weiter steigend.
Und das Feedback ist ausnahmslos positiv. Das könnte dem SPON-Autoren doch zu denken geben.
Diese alte Regel gilt doch schon lange nicht mehr.
Du hast völlig recht – deshalb habe ich meinen eigenen Blog-Eintrag entsprechend kurz gehalten:
http://blog.christian-soeder.de/2008/08/hubertus-heil-twittert-spiegel-online.html
“Dieser Beitrag sprengt derzeit jegliche Besucherrekorde meines Blogs.”
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Ich bin auch durch den SPON-Artikel auf die Twitter-Seite von Hubertus Heil und diesen Blog aufmerksam geworden. Als neugieriger Journalist musste ich natürlich getrieben vom Amusement des SPON-Beitrags gleich mal der Sache auf den Grund gehen – und war enttäuscht.
Jeder Jugendliche fänd Heils Twitter-Schreibe extrem langweilig. Der politisch und technisch interessierte junge Mensch (20-40 Jahre alt) würde sich vielleicht darüber wundern, wie frei Heil seine kurzen Messages schreibt. Peinlich ist das ganze freilich nicht. Da ist den SPON-Kollegen wohl am Nachmittag das Material für sinnvolle Beiträge ausgegangen…
@Serge
Richtig. Beeindruckt bin ich von den Twitter-Einträgen nicht. Ich bin ja bei Twitter generell skeptisch und bezweifle den tieferen Sinn (Im Gegensatz zu Blogs).
Jugendliche würden den Twitter nie lesen, weil das Thema vermutlich kaum reizt. (“Ich schick mal ne SMS aus Denver” .. wow)
Ich bewerte es als das was es wohl ist. Ein Testballon.
Ich weiß auch nicht, ob Twitter was bringt – Spaß macht es allemal.
Also ich finde schon, dass auch Heils Gezwitscher bereits einen “Mehrwert” hatte, wenn auch nicht direkt inhaltlich a la direct link oder so. Es bringt meiner Meinung nach dem twitternden Bürger nämlich eine mitregierende Mediengestalt, gemachte Imagehülle und Parteibuchapostel wieder ein kleines Stück näher. Der Vorhang lüftet sich minimal und es blitzt ein “ganz normaler” Mensch auf. Gefällt mir…