Monthly Archive for Februar, 2010

Morgen: Erste Hürde

So, nach Monaten des Lernes ist es also am 1. März soweit. Wir schreiben die Magister-Klausur (schriftl. Examen) in einem rustikalen Hörsaal und zittern anschließend sechs Wochen vor den Ergebnissen.

Ich habe mir das Thema “Utopien und Dystopien” gewählt. Die Leseliste umfasste 15 Titel zwischen 1725 und 1960. Von Schnabels “Insel Felsenburg” über Wielands “Goldenen Spiegel” hin zu Erst Jüngers “Heliopolis”, Werfel, Kubin, Döblin und schließlich Arno Schmidt (gleich drei Romane: “Kaff”, “Der schwarze Spiegel”, “Gelehrtenrepublik”).
Natürlich habe ich alle Titel gelesen, wobei ich feststellen musste, dass offensichtlich nicht alle Kandidaten die komplette Liste durcharbeiten. Das finde ich zwar zeitökonomisch, aber doch irgendwie schade. Natürlich kann man im Laufe von Kolloquien eingrenzen und Spekulationen anstellen.
Unsere Lerngruppe tippt auf Wielands “Goldenen Spiegel” (oder “Insel Felsenburg”), aber natürlich könnte auch Arno Schmidt gefragt sein. Davor bewahre uns Gott! :) Jeder der mal Schmidt gelesen hat, weiß warum ich das ausrufe.

Was genau die Aufgaben (wir haben zwei Fragen zu beantworten) sind, wissen wir natürlich nicht. Lustiger Weise schreibt man ja im Examen eine Erzahltextanalyse. Also Erzählebenen, Redesituation, Zeitkonstellation ect. müssen zerlegt werden. Natürlich “kennt” man den Text, schließlich haben wir alle Bücher gelesen, aber niemand wird ernsthaft alle Romane komplett analysiert haben. Würde auch keinerlei Sinn machen.
Zurück zum lustiger Weise: Diese Handgriffe der Erzähltextanalyse führt man zum letzten Mal im Grundstudium durch. Soll heißen, man hat das viele Jahre nicht mehr gemacht. Schon gar nicht in “Essay”-Form. Das hat man eigentlich noch nie gemacht. Ist natürlich irgendwie witzig, wenn man also über Dinge abgefragt wird, die man so selten bis gar nicht im Studium trainiert hat. Davon hängt dann die Note ab, denn die Leistungen IM Studium zählen ja nicht.
Die zweite Frage konzentriert sich anschließend eher auf die Fragen drumherum. Wie das genau aussehen wird, weiß niemand. Sowas hat man bisher auch höchst selten geschrieben. Man könnte sich zum Beispiel folgende Frage vorstellen: “Skizzieren sie die gattungstechnischen Unterschiede zwischen Utopie und Robinsonade” oder “Skizzieren sie die Entwicklung der Utopie.”.
So haben wir uns eben mal auf die Prüfung vorbereitet. Fragen gestellt, darüber diskutiert, auch mal ein paar Essays an exemplarischen Textstellen erprobt. Was will man auch sonst machen. Lediglich Sekundärliteratur lesen lohnt auch nicht. Irgendwann wiederholte sich doch alles immer wieder. Die Utopien sind eben doch recht schnell durchschritten.

Ich bin gespannt. Montag 9:00 bis 13:00 Uhr schlägt die Stunde .. nein, ok die Stunden der Wahrheit. Und dann sechs Wochen später ruft die Mündliche. Also Dienstag Pause, dann weiterbüffeln. Es warten sechs Themen.

So macht man Politik…

Das Einwickelpapier für Fisch mit den großen Buchstaben schreibt heute, dass die Grünen Käßmann in die Politik holen wollen.
Ok, denkt man sich da. Kann man ja mal fordern.
Dann schaut man bei Twitter vorbei und findet folgende Nachricht aus den Reihen der SPD:

UlrichKelber

BILD: “Grüne wollen Käsmann in Politik holen.” So macht BILD Schlagzeilen. Zuvor war ich gefragt worden, ob ich das für SPD fordern will #fb

So entstehen also Nachrichten. Fein.

Guido Möllemann

Ich habe schon vor ein paar Tagen bei einigen Westerwelle-Sätze so seltsame Erinnerungen gehabt. Ja, die Form der Debatte, die Westerwelle losgetreten hat, um von den Hotel-Steuersenkungen abzulenken, erinnert stark an 2002. Wie ähnlich sich die Debatten doch sind, hat die SZ schön nachgezeichnet. Das sollte man sich einmal durchlesen.

Ansonsten bleibt nur anzumerken: Guido Möllemann hat es geschafft. Niemand spricht mehr über die verkorkste Politik, die FDP (und CDU) gerade betreiben. Dass dabei ein paar “Opfer” auf der Strecke bleiben – wen juckt es. Die NRW-Wahl ist wichtiger.

Substanz statt Salami

Endlich! Die DFG stellt ihre Förderrichtlinien um. In Zukunft dürfen Forscher nur noch ihre fünf wichtigsten Werke angeben. Bisher kam es mehr auf die Quantität an und das verleitete zu Zweit- und Drittverwertungen von wissenschaftlichen Erkenntnissen. Da aber nur so Geld für die Forschung zu bekommen war und natürlich mit der längeren Publikationsliste die Chancen auf eine Stelle stiegen, wuchsen die Aufsatzveröffentlichungen in den letzten Jahren stetig an.
Wohin das führt, kann ich gerade auch ein wenig bei meinem Examensthema beobachten. Irgendwann ist unsere Lerngruppe kurz vor dem Nervenzusammenbruch gewesen. Warum? Wir haben Tagungsbände, Forschungsüberblicke ect. durchforstet. Fazit: Alle schreiben tolle Aufsätze. Nur die Erkenntnisse – die neuen Erkenntnisse – sind äußerst dünn.
Inzwischen witzeln wir schon, es hätte genügt, zwei Monographien zu lesen und den Rest zu ignorieren. Besondere Abneigung ernteten bei mir übrigens die Anglisten, die sich mit dem Thema beschäftigten. Diese Artikel waren in summa besonders nichtssagend. (Natürlich ein rein subjektiver Eindruck!) Gestern habe ich versucht die wichtigen Elemente zur besseren Lernbarkeit aufzulisten. Das ging erstaunlich schnell. Ich bin ja froh, dass in der Examensklausur eh keine Zeit ist, dieses Thema ausführlich zu diskutieren. Was bringt es mir, endlose Listen von Wissenschaftlern anzulegen und ihre Meinungen zu lernen, wenn alle im Grunde nur bei ein oder zwei Wissenschaftlern abschreiben?
So – und nun wieder ab in die Uni-Bibliothek…

(Quelle: ZEIT)

Das Sponsorensystem der NRW-CDU

Ein schöner Skandal vor der NRW Wahl. Da bleibt Jürgen Rüttgers (der war mal Zukunftsminister) nur noch die Flucht nach vorn. Sein Generalsekretär, vor Monaten trotz aller Affären gestützt, wurde nun doch vor die Türe gesetzt. Das System der CDU in NRW um an Geld zu kommen, war dann doch aufgeflogen. Gespräche mit dem MP und den Ministern für eine “kleine Spende”. Das passt natürlich gar nicht in den Wahlkampf. Nur gewusst haben, will Rüttgers natürlich nichts. Falsch – sagt das Blog “Wir in NRW” und beschreibt das langjährige System der Geldbeschaffung. Pikant. Es liegt scheinbar ein Schreiben Rüttgers vor, dass seine Mitwisserschaft an diesem System bestätigt.
Das wird noch ein Spaß!

Wollt’ ich nur mal erwähnt haben…

… der Ring muss an die Hand.

Der Rest um diesen Handgriff ist in Arbeit und Planung.

Niedergang eines Magisterthemas

Ach, Mist!
Ich habe ja hier schon berichtet, dass ich mit dem Gedanken spielte, Axolotl Roadkill von Helene Hegemann in meiner Magisterarbeit zu behandeln. Ein großer Teil wäre natürlich die Abprüfung von Textbezügen und Zitaten gewesen.
Nun hat der Ullstein-Verlag eine schöne lange Liste der Quellen und Zitate an die 4. Auflage von A.R. geheftet und mir damit mein Thema irgendwie zerstört. Natürlich werde ich die Grundidee in anderer Form wohl weiterverfolgen, aber das finde ich doch mal schade.

Übrigens rechtfertigt die ZEIT im aktuellen Artikel die Montagetechnik Hegemanns gegenüber dem Copyright. Während der Wissensblog sich ja schon vor einer Weile gegen das Argument der Intertextualität verwehrt hat. Dem letzt genannten Autor neige ich auch eher zu. Ich habe ja schon viele Zitate und intertextuelle Verweise gelesen, aber was Hegemann teilweise treibt, geht einfach zu weit. Neben Sätzen, Motiven, Halbsätzen werden ja auch Plotstrukturen übernommen. Ich habe A.R. noch nicht fertig gelesen, aber ich habe inzwischen auch so einige Stellen gefunden, die ich “interessant” finde. Übrigens sind tatsächlich viele Hinweise auf die Montagetechnik im Text. Nicht bloß der “Ich hab das von so einem Blogger”-Satz. Aber ob das reicht?
Im Rahmen der Prüfung muss ich auch bei anderen Autoren solche Verweise abprüfen. Ich könnte hier Juli Zehs “Spieltrieb” nennen, der mit Intertextualität zu Musils “Mann ohne Eigenschaften” spielt. Auch hier gibt es verschiedene Ebenen. Für den unbedarften Leser werden einige Hinweise gegeben. Für den Kenner eröffnen sich dann weitere Motive (Die Eisheiligen/Das Wetter bei Spieltrieb), die an Musil angelehnt sind. So stelle ich mir eigentlich Intertextualität vor. Wenn ich aber keine Möglichkeit habe, das Zitat zu entdecken. Wo liegt dann der Sinn?
Aber das ist ein tolles Thema. Da wird noch viel diskutiert werden. Etwas wohlfeil finde ich die Argumentation des Feuilletons. Zuerst wurde A.R. für die Autenzität, für die mächtige Sprache gefeiert. Dann stellt sich heraus, gerade diese Aspekte wurden “zitiert”. Was folgt? Es wird die geniale Montagetechnik gefeiert und oft hat man den Eindruck, hier würde eine Rechtfertigung nachgeschoben, warum man das Buch noch hätte feiern können. Leise Anklänge, dass die Freunde und Bekannten der Familie Hegemann hier mächtig Werbung gemacht habe (wie im SWR2-Forum anklingt), werden wenig thematisiert. Die geniale Vermarktungsmaschine, die in Gang gesetzt wurde auch nicht. Schon gar nicht der Herdentrieb des Feuilletons.
Das Buch ist (so weit ich bisher gelesen habe) ein interessantes Werk. Aber der Rummel um die Sache herum ist eigentlich viel spannender.

STROBO wurde inzwischen von Ullstein übernommen. So kann man natürlich Probleme auch beheben. So etwas ähnliches habe ich schon erwartet. Damit verdient dann Ullstein ultimativ an dem ganzen Hype. Sehr klug.

Kein spätrömisch dekandenter Esel!

Ich kann Heiner Geißlers Esel nicht mehr hören. Gut, wenn er meint Westerwelle als Esel bezeichnen zu müssen, ist das seine Sache. Austeilen konnte der CDU-Mann ja schon immer. Aber um Himmels Willen: Caligula hat keinen Esel zum Senator/Konsul gemacht – sondern ein Pferd! (bzw. er wollte es. Ob es sich dabei um eine Herabwürdigung des Senatorenstandes handelte oder nur böswillige Propaganda seiner Feinde ist heute nicht mehr so eindeutig zu klären).
So viel zur bürgerlichen Bildung von Heiner Geißler.
Westerwelles spätrömische Dekadenz-Wissen schöpft sich natürlich aus den tollen Sandalenfilmen, in denen das Volk mit Brot beworfen wird, damit sie dem Kaiser zujubeln. Das gab es natürlich. Der Plebs wurde in Rom zeitweise mit Lebensmitteln versorgt und die stiftete der Kaiser. Allerdings war das nicht der Untergang des römischen Reiches, wie Westerwelle so drohend ankündigt.
Die Dekandenztheorie, die angeblich zum Untergang des römischen Reiches geführt haben soll, ist längst vom Tisch. Dank Westerwelle (und Geißler) feiert sie aber gerade ihr Comeback. Und klar, wenn wir schon dabei sind, dann machen wir aus der (falschen) Theorie der nicht mehr leistungsfähigen Elite/Oberschicht, die sich im Ziegenmilch-Luxus ersäuft, einfach eine Unterschicht, die das römische Reich in den Abgrund gerissen hat. Wen juckt es. Hauptsache es klingt groß!
Apropos spätrömisch: Das war eine sehr ungemütliche Zeit – so ganz ohne Luxus. Viel Chaos, Krieg und die Soldatenkaiser. Constantin hat da dann wieder Ordnung gemacht. Westerwelle ist aber beileibe kein Konstantin. Er hat nur völlig schiefe Metaphern mit einem nicht existenten Geschichtswissen kombiniert. Das ist peinlich. Heiner Geißlers Ausfälle vor dem Aschermittwoch sind es übrigens auch.

Besonders schön hat sich die FAZ damit beschäftigt.. Und auch wenn ich die taz selten lesen, dieser Beitrag ist wirklich sehr gut gelungen.

P.S. Und Caligula war auch kein spätrömischer Kaiser, sondern einer der ersten Kaiser, die das Prinzipat ablösten! So…

PP.S.
HartzIV ist vermutlich längst viel zu sehr Symbol um noch darüber diskutieren zu können.

Juso AG Amorbach – PM zum Jugendraum und zur TSV-Halle

Vorgestern verschickte ich im Auftrag der Juso AG Amorbach eine kurze Pressemitteilung an die Regionalpresse. Heute ist dazu ein Artikel erschienen, was mich generell ersteinmal freut. Es ist ja nicht so einfach als politische Partei oder Organisation eine PM abzusetzen.
Natürlich war ich auf der AG Sitzung auch anwesend, aber eigentlich wollte ich gar nicht zitiert werden. Die Jungs und Mädels sind ja eigenständig und ich unterstütze sie nur. Die Presse hat mich nun aber ausführlich “zitiert”, da die PM ja von mir kam. Das nächste Mal muss ich wieder ausdrücklich schreiben, woher die Sache stammt. Ein “i.a. Juso AG Amorbach” reicht doch nicht.
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Randnotiz zum Suhrkampf-Archiv

Die Kartons – der Schatz aus dem Silbersee – sind bereits in Marbach angekommen. Die ZEIT berichtete darüber. Nun müssen knapp vierzig Kartons gesichtet und sortiert werden. Das wird richtig Geld und Personal kosten. Zumindest ein Teil der Arbeiten wird wohl von Praktikanten der Universität Stuttgart erledigt werden. Master-Studenten (Germanistik) haben schon letzte Woche den Hinweis erhalten, sich doch bitte dort zu bewerben. Natürlich dürfen auch Lehrämtler und Rest-Magister ran, wenn noch Platz ist.

Wer also die geheiligten Kartons im Rahmen von Abschlussarbeiten durchsuchen will, Lesespuren und Briefwechsel sowie Manuskripte toll findet. Schnell noch bei der Uni Stuttgart einschreiben :)

Für mich kommt das Angebot zu spät. Ich hätte wirklich Lust dazu, aber da ich in wenigen Wochen mein Examen bestreite, werde ich wohl nur noch ein paar Mal nach Marbach pilgern und einige Werke zu meiner Prüfung durchsehen.




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