Archive for the 'Literatur' Category

Klagenfurt 2010

Mal etwas Literatur!
Ich bin ja ein Fan des Bachmannpreises. Mir gefallen die Performance, die Autorenhinrichtung und die manchmal etwas willkürlichen Entscheidungen am Ende.
Auch dieses Jahr habe ich zumindest versucht einen Teil der Lesungen zu beobachten. Mein Fazit war allerdings schnell gefällt: Lauwarm. Die Texte haben mich generell wenig vom Hocker gerissen. Ausgerechnet den späteren Sieger habe ich allerdings verpasst. Aber der Rest?
Die Texte waren selten richtig gut, die Jury war viel zu nett – wo bleibt eine zünftige Autorenhinrichtung? Mancher Text hätt es verdient oder sich zumindest eine kontroverse Diskussion verdient. Nichts. Sehr traurig. Heute habe ich dann in der ZEIT einen Kommentar zur diesjährigen Veranstaltung gelesen. Ich kann hier eigentlich nur zustimmen. Wobei eines bleibt: Es gibt keinen schöneren, durchgeknallteren, arroganteren Literaturpreis. Vielleicht nächstes Jahr wieder…

Vincent-Preis: ‘Metamorphosen’ nominiert

Die Anthologie ‘Metamorphosen‘ zu der ich auch eine Kurzgeschichte besteuern durfte, ist für den Vincent-Preis nominiert. Besser gesagt, es gab sogar vier Nominierungen. Zweimal für die Schreiberkollegen Prüfer und Horvarth in der Kategorie ‘Kurzgeschichte’, unser Grafiker Schlicht ist bei der Kategorie ‘Grafik’ nominiert und dschließlich ist noch die Anthologie in summa bei ‘Anthologien, Storysammlungen, Magazine’ nominiert.
Das ist doch mal eine schöne Meldung!

(Nominierungsliste Vincent-Preis)

Einstürzende Bücherberge

Derzeit werde ich immer wieder gefragt, was ich denn so für die Prüfung lesen müsse. Viel?
Über die Quantität kann ich kaum eine Aussage machen. Das bemisst sich auch immer etwas nach den Prüfern. Manche Prüfer wollen nur kurz eine Liste der Titel und das Thema. Andere verlangen Primär- und Sekundärtitel plus Thesen (üblicher). Bei mir gibt es die Grundformel: ca. zehn Primärtexte, ca. fünf Sekundärtitel (Aufsätze oder Monographien) und dann Thesen. In Neuer Deutscher Literatur muss alles auf eine A4 Seite passen, in Mediävistik liegt das Maß zwischen einer und drei Seiten.
Natürlich gab es auch schon Fälle, so erzählt man sich, da haben Studenten ihre Prüfer auf zwei oder drei Bücher herunter gehandelt. Beim Magister ist das ja generell etwas einfacher, aber auch beim Lehramt soll das möglich sein. Hab ich nicht gemacht, ich hab mir dann wohl irgendwie die volle Packung verpasst. Aufgrund der häufigen Frage hier mal eine Übersicht.
Continue reading ‘Einstürzende Bücherberge’

Bücher auf Halde

Noch drei Wochen bis zur mündlichen Prüfung und immer mal wieder lege ich mir Bücher zu mit dem festen Plan sie zu lesen. Oftmals handelt es sich dabei um Schnäppchen und Sonderangebote denen ich nicht widerstehen konnte. Natürlich sind auch Bücher dabei, die ich später vielleicht für meine Magisterarbeit gebrauchen kann. Etwa “Rave” von Rainald Götz oder “Strobo” von Airen.
Was noch? Hm. Was liegt denn hier so…
Markus Reiter “Dumm 3.0″ in Nachfolge zu “Payback” von Schirrmacher (letzteres schon gelesen), von Roland Barthes wollte ich noch einige Aufsätze lesen, dann wieder Michael Chabon “Die Vereinigung jiddischer Polizisten”, Martin Suter “Lila, Lila”, E.A. Poe Gesamtausgabe (10 Bände für 10 Euro auf dem Flohmarkt. Yeah!), Goethe: Gesamtausgabe in 33 Bänden (uff!), Kurzgeschichten von Lem und so weiter und so weiter. Aber werde ich dazu wirklich kommen? 2011? 2012? Ich habe mir jedenfalls gerade neue Bücherregale besorgt und aufgebaut. Es ist natürlich bereits voll… :-)

Niedergang eines Magisterthemas

Ach, Mist!
Ich habe ja hier schon berichtet, dass ich mit dem Gedanken spielte, Axolotl Roadkill von Helene Hegemann in meiner Magisterarbeit zu behandeln. Ein großer Teil wäre natürlich die Abprüfung von Textbezügen und Zitaten gewesen.
Nun hat der Ullstein-Verlag eine schöne lange Liste der Quellen und Zitate an die 4. Auflage von A.R. geheftet und mir damit mein Thema irgendwie zerstört. Natürlich werde ich die Grundidee in anderer Form wohl weiterverfolgen, aber das finde ich doch mal schade.

Übrigens rechtfertigt die ZEIT im aktuellen Artikel die Montagetechnik Hegemanns gegenüber dem Copyright. Während der Wissensblog sich ja schon vor einer Weile gegen das Argument der Intertextualität verwehrt hat. Dem letzt genannten Autor neige ich auch eher zu. Ich habe ja schon viele Zitate und intertextuelle Verweise gelesen, aber was Hegemann teilweise treibt, geht einfach zu weit. Neben Sätzen, Motiven, Halbsätzen werden ja auch Plotstrukturen übernommen. Ich habe A.R. noch nicht fertig gelesen, aber ich habe inzwischen auch so einige Stellen gefunden, die ich “interessant” finde. Übrigens sind tatsächlich viele Hinweise auf die Montagetechnik im Text. Nicht bloß der “Ich hab das von so einem Blogger”-Satz. Aber ob das reicht?
Im Rahmen der Prüfung muss ich auch bei anderen Autoren solche Verweise abprüfen. Ich könnte hier Juli Zehs “Spieltrieb” nennen, der mit Intertextualität zu Musils “Mann ohne Eigenschaften” spielt. Auch hier gibt es verschiedene Ebenen. Für den unbedarften Leser werden einige Hinweise gegeben. Für den Kenner eröffnen sich dann weitere Motive (Die Eisheiligen/Das Wetter bei Spieltrieb), die an Musil angelehnt sind. So stelle ich mir eigentlich Intertextualität vor. Wenn ich aber keine Möglichkeit habe, das Zitat zu entdecken. Wo liegt dann der Sinn?
Aber das ist ein tolles Thema. Da wird noch viel diskutiert werden. Etwas wohlfeil finde ich die Argumentation des Feuilletons. Zuerst wurde A.R. für die Autenzität, für die mächtige Sprache gefeiert. Dann stellt sich heraus, gerade diese Aspekte wurden “zitiert”. Was folgt? Es wird die geniale Montagetechnik gefeiert und oft hat man den Eindruck, hier würde eine Rechtfertigung nachgeschoben, warum man das Buch noch hätte feiern können. Leise Anklänge, dass die Freunde und Bekannten der Familie Hegemann hier mächtig Werbung gemacht habe (wie im SWR2-Forum anklingt), werden wenig thematisiert. Die geniale Vermarktungsmaschine, die in Gang gesetzt wurde auch nicht. Schon gar nicht der Herdentrieb des Feuilletons.
Das Buch ist (so weit ich bisher gelesen habe) ein interessantes Werk. Aber der Rummel um die Sache herum ist eigentlich viel spannender.

STROBO wurde inzwischen von Ullstein übernommen. So kann man natürlich Probleme auch beheben. So etwas ähnliches habe ich schon erwartet. Damit verdient dann Ullstein ultimativ an dem ganzen Hype. Sehr klug.

Randnotiz zum Suhrkampf-Archiv

Die Kartons – der Schatz aus dem Silbersee – sind bereits in Marbach angekommen. Die ZEIT berichtete darüber. Nun müssen knapp vierzig Kartons gesichtet und sortiert werden. Das wird richtig Geld und Personal kosten. Zumindest ein Teil der Arbeiten wird wohl von Praktikanten der Universität Stuttgart erledigt werden. Master-Studenten (Germanistik) haben schon letzte Woche den Hinweis erhalten, sich doch bitte dort zu bewerben. Natürlich dürfen auch Lehrämtler und Rest-Magister ran, wenn noch Platz ist.

Wer also die geheiligten Kartons im Rahmen von Abschlussarbeiten durchsuchen will, Lesespuren und Briefwechsel sowie Manuskripte toll findet. Schnell noch bei der Uni Stuttgart einschreiben :)

Für mich kommt das Angebot zu spät. Ich hätte wirklich Lust dazu, aber da ich in wenigen Wochen mein Examen bestreite, werde ich wohl nur noch ein paar Mal nach Marbach pilgern und einige Werke zu meiner Prüfung durchsehen.

Noch ein Hegemann-Plagiat?

Das macht ja bald keinen Spaß mehr. Aufgrund des ganzen Rummels um Axolotl Roadkill und Strobo haben sich auch andere Herausgeber (Vice) von Texten Hegemanns noch einmal vergewissert. Leider kam es bei einer weiteren Geschichte zu Übereinstimmungen. Es scheint als habe Hegemann indirekt eine französische Kurzgeschichte als “Inspiration” verwendet.
Sie hat wohl eine Filmumsetzung (“TRY A LITTLE TENDERNESS” von Benjamin Teske) der Geschichte gesehen und daraus wieder eine Kurzgeschichte (“Die Spiegelung meines Gesichts in der Erschaffung der Welt“) gebastelt. Ich kann den Originaltext nicht lesen und verlasse mich hier auf die Herausgeber, die diese Tatsache feststellen. In wie weit dies eine Rolle in der ganzen Diskussion spielen wird – man muss abwarten.
(Erste Reaktion der großen Medien: WELT)

Am Rande sei erwähnt, dass ich mit dem Gedanken spiele zu diesem Thema meine Magisterarbeit zu schreiben. Rund um Plagiate und digitale Medien. Den Gedanken hatte ich zwar schon vor der Hegemann-Sache, aber nun habe ich auf jeden Fall einen schönen Aufhänger, oder?

Nachtrag: Inzwischen gibt es ein Interview mit Airen in der FAZ. Sehr interessant. Inklusive den diskutierten Textstellen als Vergleich.

(via deef)

Hegemann-Skandal: Blogger Deef Pirmasens im Podcast

Mathias Richel spricht in einem Podcast mit dem Blogger Deef Pirmasens, der die Hegemann-Story aufdeckte.
Wer eine schnelle Zusammenfassung der Geschichte haben will. Hier klicken. (Dauer: 49 min)

Nachtrag: Bei Spreeblick gibt es ein Interview mit dem Airen Verleger.

Nachtrag II: Schöner Beitrag auf ‘Deutschlandradio Kultur’. Gespräch mit dem Literaturwissenschaftler Philipp Theison.

Der Hype um Helene Hegemann bekommt einen Knacks

Derzeit wird die 17 jährige Helene Hegemann für ihren (postmodernen?) Roman Axolotl Roadkill ja mächtig gelobt. Keine der relevanten Zeitungen (ZEIT, FAZ, SZ ect.) hat es sich nehmen lassen Hegemann zu bejubeln. Nun stürmt die Meldung durch das Netz, dass Hegemann etwas zu sehr “remixed” hat um ihren Roman zu verfassen. Nun ist ein Remix im Netz ja etwas völlig normales. Jeder Autor weiß natürlich, dass die eigenen Werke in gewisser Weise ein Remix sein werden. Postmodern könnte man sagen: Alles ist ein Zitat.
Trotzdem scheint es Hegemann doch etwas bunt getrieben zu haben. Die Gefühlskonserve zeichnet die Geschichte nach. Inzwischen haben sich Verlag und Hegemann natürlich entschuldigt (Statement bei Büchermarkt.de), übrigens sehr zügig. Der unbekannte Autor und Blogger Airen dessen Ideen sich Hegemann teilweise entlehnt hat, wird vermutlich so auch einige Bücher mehr verkaufen.

Nun wird vielfach von einem Anfängerfehler gesprochen und zudem von einem unachtsamen Verlag. Ich denke aber hier zeigt sich viel mehr. Solche Remixe gab es ja schon immer im Büchermarkt. Dank dem Internet wird das aber mit Sicherheit zunehmen. Ich bin mit sicher, dass dieser Fall nicht der Letzte sein wird. Irgendwann werden Verlage vermutlich jeden Satz eines Buches durch die Suchmaschinen laufen lassen… nur so zur Sicherheit.

Axolotl Roadkill
werde ich mir aber trotzdem kaufen. Und Strobo von Airen vielleicht auch.

Nachtrag:
Hegemann sagte der FAZ, sie kenne das Buch von Airen nicht, nur dessen Blog. Allerdings hat ihr Vater Carl Hegemann das Buch Strobo beim Verlag für seine Tochter bestellt. Das ist natürlich nicht so fein. (via deef)

(via netzpolitik.org)

Die Arbeitsplätze von Schriftstellern

Bei “Where I Write” findet man schöne Fotos von den Arbeitsplätzen bekannter (engl.) Autoren. Ein paar nette Einblicke sind dabei. Besonders gut gefallen mir ja die chaotischen Räume, die vollgestopft sind mit Büchern.




Blog Top Liste - by TopBlogs.de

kostenloser Counter